Wer durch unsere Straßen spaziert, kennt sie: graue Stromkästen, unauffällig, funktional – und selten ein Blickfang. Doch manchmal reicht ein bisschen Farbe, um genau das zu ändern. Im Rahmen der Aktion „Aus Grau wird bunt“ haben wir einen dieser unscheinbaren Kästen in ein kleines Kunstwerk verwandelt – mit Sprühdose und Schablone und einer großen Portion Freude am Gestalten. Das Ergebnis: ein farbenfroher Hingucker, der zeigt, wie Illustration im öffentlichen Raum die Umgebung lebendiger machen kann.
Bevor die neuen Farben aufgetragen werden konnten, musste die alte Farbschicht sorgfältig abgekratzt werden. Vorherige Aufkleber und Verschmutzungen wurden entfernt, um eine glatte Oberfläche zu schaffen. So konnte sichergestellt werden, dass das neue Motiv gleichmäßig haftet und lange sichtbar bleibt.
Knallbunt sollte es werden, mit Farben, die lange halten. Der bemalte Kasten fällt dadurch auf und hebt sich deutlich von seiner grauen Umgebung ab. Die Gestaltung orientierte sich an klaren Formen und kräftigen Farbfeldern, sodass das Motiv auch aus der Entfernung gut erkennbar ist.
Bevor das eigentliche Motiv aufgetragen wurde, bekam der Kasten zunächst eine Schicht weiße Grundierung. Sie sorgt nicht nur dafür, dass die späteren Farben intensiver leuchten, sondern gleicht auch Unebenheiten im Untergrund aus. Auf dem hellen Grund konnten die Schablonen klarer wirken, und die Kontraste traten deutlich stärker hervor – eine wichtige Basis, damit das fertige Bild so leuchtend wirkt, wie geplant.
Damit das Motiv möglichst lange sichtbar bleibt, wäre ein transparenter Schutzlack ideal gewesen. Diesmal wurde darauf verzichtet. Für zukünftige Projekte wäre eine Versiegelung jedoch sinnvoll – sie schützt die Farben vor UV-Strahlung, Regen und Temperaturschwankungen und verlängert so die Lebensdauer deutlich. Schließlich soll die bunte Fläche nicht nur für einen Sommer bestehen.
Wer schon einmal mit Sprühdosen gearbeitet hat, weiß: kräftige Pigmente bringen auch einen kräftigen Geruch mit sich. Während der Arbeit lag der typische Lösungsmitteldunst in der Luft, der sich erst nach einigen Stunden verzog. Eine Atemschutzmaske und Handschuhe waren daher Pflicht. Trotzdem machte das Sprühen Spaß – gerade weil man sofort sieht, wie sich die Fläche verwandelt.
Für das Motiv kamen Schablonen zum Einsatz, die zuvor auf stabilem Karton vorbereitet wurden. Dadurch konnten die Formen präzise aufgetragen und mehrfach wiederverwendet werden. Zum Sprühen diente ein sogenanntes Skinny-Cap – eine feine Düse, mit der sich Linien und Übergänge deutlich kontrollierter setzen lassen. So entstand Stück für Stück ein klarer, grafischer Aufbau, der trotz der technischen Mittel seine handgemachte Note behielt.
Schon während des Bemalens blieben immer wieder Passanten stehen, um zuzusehen oder ein paar Worte zu wechseln. Viele freuten sich über die Aktion und erzählten, wie sehr solche kleinen Farbakzente das Straßenbild auflockern. Besonders Kinder reagierten neugierig und begeistert. Diese spontane Rückmeldung zeigte, dass Kunst im öffentlichen Raum direkt wirken kann – unmittelbar und ohne Galerie dazwischen.
Ein grauer Kasten wurde zu einem kleinen Farbfeld im Straßenbild – sichtbar, aber nicht aufdringlich. Das Projekt hat gezeigt, wie einfach es sein kann, mit etwas Farbe und Geduld einen Ort freundlicher zu gestalten. Illustration muss nicht immer auf Papier stattfinden; manchmal reicht ein Stromkasten, um eine Geschichte zu erzählen.